Ausstellung ORIGINAL


jessenvollenweider
mit Katharina Immekus


Architektur Galerie Berlin
18.Mai –30.JUNI 2018 


In einer Architekturausstellung ist das ORIGINAL abwesend: die gebaute Architektur. Sie wird repräsentiert, simuliert und interpretiert. Die Idee von Architektur als Original ist im Zeitalter der digitalen Reproduktion so verführerisch wie gefährdet. Das gemalte Bild von Architektur schafft für die Ausstellung ein neues Original, explizit über die Konstruktion von Leinwand und Farbe. Das Material Farbe verbindet den Raum und die Bilder. Die Bilder thematisieren die Wahrnehmung und Darstellung von Architektur. Der Raum deutet die vorhandene Situation der Galerie architektonisch um. Beide Themen, Bild und Situation, spiegeln sich gegenseitig im jeweils anderen: Die Bilder zeigen nicht primär architektonische Objekte, sondern Orte und Situationen, fast zufällige Blicke, und der temporäre Raum der Ausstellung lebt nicht von Permanenz als vielmehr von einer bildhaften Wirkung. Die farbig gegliederten Wände ‚bilden’ den atmosphärischen Grund für ein Interieur, in welchem die Farbigkeit der Bilder und alle natürlichen Materialien eine besondere Präsenz entfalten. Wenn die in den Bildwerken dargestellten Situationen den Kontext und die städtebauliche Setzung thematisieren, die gemalte Halle für einen elementaren Typus des architektonischen Raums steht, verkörpern die realen Möbel den Gebrauch und das architektonische, materielle Detail. Situation, Typus und Detail sind instrumentelle Begriffe für den architektonischen Entwurfsprozess. Sie stehen nicht in einer hierarchischen oder linearen Beziehung zueinander, sondern beschreiben ein strategisches Feld, das In der Ausstellung in eine räumliche Assemblage übersetzt ist.
jessenvollenweider

Bis vor einiger Zeit habe ich Häuser einzeln angeschaut.  Sie haben mich wegen ihres Charakters oder der Ausstrahlung, die sie haben, fasziniert. Sie sind etwas Festes, aus Stein oder Holz gebautes. Mit Dach, Fenster, Türen und Wänden. Ich mag einfache Häuser, die eigen sind, aber nicht angeben wollen. Wenn ich ein Bild male, ist es klar, dass ich über das Zusammenspiel der Bild-Elemente nachdenke und die Gestaltung einer Wolke Auswirkungen auf die Farbe der Wiese hat usw.  Bis vor Kurzem war mir nicht bewusst, dass man reale Häuser auch in eine Fläche komponiert wie in ein Bild und dass man mit der Gestalt und Komposition von Häusern natürlich auch seine Einstellung gegenüber der Umgebung vermittelt. Ich habe mich dafür interessiert, die Häuser von jessenvollenweider genau anzugucken und sie zu malen, weil ich während des gegenseitigen Austauschs oft den Eindruck hatte, dass sie eine ähnliche Haltung gegenüber der eigenen Arbeit, ihrem eigenen Werk haben, wie ich gegenüber meinem. Das bezieht sich auch auf das Werk im Verhältnis zum Werk von Anderen. Also wollte ich verstehen, wie jemand mit ähnlicher Sichtweise in einem anderen Beruf vorgeht, um zu einem Ausdruck zu finden. Diese Ausstellung ist aus meiner Sicht der von Neugierde getriebene Versuch, die Architektur von jessenvollenweider durch den Blick und die Malerei von Katharina Immekus zu zeigen.
Katharina Immekus


Fotos

@Jasmin Schuller (1, 5, 6, 7)
@Maximilian Meisse (3, 4)
@Jan Bitter (2, 8, 9)